Ein kleiner Traum und tausend Zweifel

Ein kleiner Traum und tausend Zweifel

Als ich in die Niederlande gezogen bin, habe ich nicht einfach nur meinen Wohnort gewechselt. Ich habe ein ziemlich vertrautes Leben zurückgelassen. Meine Heimat, Menschen, Orte, Routinen und all diese kleinen Dinge, über die man im Alltag eigentlich gar nicht nachdenkt, bis sie plötzlich nicht mehr selbstverständlich sind.

Natürlich war da ganz viel Vorfreude. Ich wollte diesen Schritt. Ich wollte nach Zeeland, ans Meer und in ein neues Kapitel meines Lebens. Aber etwas unbedingt zu wollen bedeutet eben nicht automatisch, keine Angst davor zu haben. Und davon gab es ehrlich gesagt ziemlich viel.

Ein Neuanfang klingt romantischer, als er manchmal ist

Ein Umzug in ein anderes Land klingt im Nachhinein schnell romantisch. Neues Zuhause, Meer vor der Tür, neue Möglichkeiten. Und ja, all das gehört dazu. Aber eben auch dieses seltsame Gefühl, plötzlich wieder ein bisschen bei null anzufangen. Sich neu orientieren zu müssen, eine andere Sprache um sich herum zu hören, neue Menschen kennenzulernen und noch nicht genau zu wissen, wo der eigene Platz eigentlich sein wird.

Vieles, was vorher selbstverständlich war, musste plötzlich neu gefunden werden. Und irgendwo mitten in diesem ganzen Neuanfang entstand dann auch noch die Idee für Z.ART Tides.

Aus Muscheln.

Ein Business. Mit Muscheln. Ernsthaft?

Wenn ich das so schreibe, muss ich selbst ein bisschen lachen. Denn genau da kommt die nächste Angst ins Spiel: Was, wenn diese Idee eigentlich total banal ist? Was, wenn andere darin einfach nur eine Muschel sehen? Was, wenn niemand dafür Geld ausgeben möchte? Was, wenn ich unglaublich viel Zeit, Liebe und Energie hineinstecke und am Ende feststellen muss, dass es einfach nicht funktioniert?

Ich glaube, wenn man etwas Eigenes erschafft, macht man sich auf eine ganz andere Art verletzlich. Denn plötzlich präsentiert man nicht einfach irgendein Produkt. Man präsentiert etwas, das vorher nur im eigenen Kopf existiert hat. Eine Idee, die man selbst schön findet. Etwas, in das man Zeit investiert hat und an dem vielleicht viel mehr Emotionen hängen, als jemand von außen überhaupt sehen kann.

Und dann stellt man es hin, zeigt es anderen Menschen und wartet darauf, wie sie reagieren.

Vielleicht fühlt es sich deshalb auch jedes Mal so besonders an, wenn jemand sagt: „Das ist wunderschön.“ Weil da vorher immer diese kleine Stimme war, die gefragt hat: Findet das außer mir überhaupt jemand schön?

Aus einer kleinen Idee wurde plötzlich Z.ART Tides

„Ich mache Kunst und kleine besondere Dinge aus selbst gesammelten Austernschalen.“ Das klingt vielleicht nicht nach dem größten Businessplan der Welt. Und vielleicht muss es das auch gar nicht.

Z.ART Tides ist nicht entstanden, weil ich irgendwann beschlossen habe, unbedingt Unternehmerin zu werden. Es ist entstanden, weil ich etwas gefunden habe, das mir Freude macht. Weil ich Muscheln vom Strand mit nach Hause genommen habe. Weil aus einer Idee plötzlich zwei wurden und aus zwei irgendwann zehn. Weil ich ausprobieren wollte, was daraus entstehen kann.

Und irgendwann stand ich da mit Produkten, einem Namen, einem Logo, einem Webshop und meinen ersten Märkten und dachte: Okay. Offenbar machen wir das jetzt wirklich.

Die Zweifel verschwinden nicht einfach

Ich würde gerne sagen, dass irgendwann der Moment kam, an dem ich plötzlich vollkommen überzeugt von allem war und die Zweifel verschwunden sind. Aber so war es nicht.

Es gibt immer noch Momente, in denen ich mich frage, ob das alles funktioniert. Wenn etwas nicht verkauft wird. Wenn ich ein neues Produkt zeige und nicht weiß, wie es ankommt. Wenn ich einen Preis festlegen muss und sofort darüber nachdenke, ob jemand wirklich bereit sein wird, ihn zu bezahlen. Oder wenn ich andere kleine Businesses sehe und das Gefühl bekomme, dort sei alles größer, professioneller und viel besser durchdacht.

Vielleicht bedeutet Selbstständigkeit deshalb gar nicht, irgendwann keine Angst mehr zu haben. Vielleicht bedeutet sie vielmehr, Dinge trotz dieser Angst zu machen.

Und dann gibt es diese kleinen Momente

Jemand bleibt auf einem Markt an meinem Stand stehen und nimmt eine meiner Austern in die Hand. Jemand bestellt etwas in meinem Webshop. Jemand erzählt mir, für wen ein Stück bestimmt ist. Jemand kommt später noch einmal zurück, weil ihm etwas nicht aus dem Kopf gegangen ist. Oder jemand sagt einfach: „Was für eine schöne Idee.“

Für diese Person ist das vielleicht nur ein Satz. Für mich ist es manchmal die Antwort auf ziemlich viele Zweifel gleichzeitig.

Denn aus diesem vielleicht ein bisschen banalen Muschel-Traum ist tatsächlich etwas entstanden. Etwas, das vorher nicht da war. Etwas, das ohne diesen Umzug wahrscheinlich genauso wenig existieren würde wie ohne den einen oder anderen Moment, in dem ich mich gefragt habe, was ich hier eigentlich mache.

Vielleicht muss ein Traum gar nicht groß sein

Ich weiß nicht, wohin Z.ART Tides mich führen wird. Vielleicht wird sich die Marke verändern. Vielleicht werde ich irgendwann ganz andere Dinge machen. Es wird Ideen geben, die funktionieren, und ziemlich sicher auch welche, die überhaupt nicht funktionieren.

Aber mein Umzug nach Zeeland hat mir gezeigt, dass man nicht immer wissen muss, wie etwas ausgeht, bevor man anfängt.

Manchmal verändert man sein ganzes Leben. Manchmal sammelt man einfach nur eine Austernschale am Strand auf. Und manchmal wird aus genau so einer kleinen, unscheinbaren Sache plötzlich der Anfang von etwas, das man überhaupt nicht geplant hatte.

Vielleicht muss ein Traum also gar nicht riesig, außergewöhnlich oder besonders vernünftig klingen, um es wert zu sein, ihn ernst zu nehmen.

Und wenn meiner gerade aus Muscheln besteht, dann ist das eben mein kleiner Muschel-Traum. 🐚

1 Kommentar

Your life in Holland in a nut"shell"….😉

Adri •

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